Cochlea-Implantat Erfahrung: Lauras Weg in eine neue Hörwelt
🩷 Laura erzählt · 🩵 Sarah begleitet
In diesem persönlichen Bericht teilt Laura ihre Cochlea-Implantat Erfahrung, vom Hörverlust und der Entscheidung für ein CI bis zu den vielen kleinen und großen Geräuschen, die sie anschließend neu entdecken durfte.
Zwei Schwestern, zwei Perspektiven
In diesem Beitrag erzählen wir Lauras Geschichte aus zwei Perspektiven. An den Herzfarben erkennst Du jederzeit, wer gerade spricht.
Ich begleite Dich durch den Beitrag und ergänze die Vorgeschichte sowie meine persönlichen Gedanken.
Laura berichtet mit ihren eigenen Worten von ihrem Weg mit dem Cochlea-Implantat.
Warum ich Lauras Geschichte teilen möchte
Hinter jeder Hörgeschichte steckt ein Mensch. Und jede Geschichte ist anders.
Mit der neuen Reihe „Erfahrungen & Geschichten“ möchte ich Menschen zu Wort kommen lassen, die ihren ganz persönlichen Hörweg mit uns teilen.
Den Anfang macht meine kleine Schwester Laura.
Laura ist von Geburt an schwerhörig. Nach zwei Hörstürzen und vielen Jahren mit einem Hörgerät entschied sie sich schließlich für ein Cochlea-Implantat.
Heute erzählt sie ihre Geschichte selbst – ehrlich, persönlich und mit all den Höhen und Herausforderungen, die zu ihrem Weg dazugehören.
Ich freue mich sehr, dass ich ihre Geschichte mit euch teilen darf.
Bevor Lauras Geschichte beginnt …
Laura ist von Geburt an schwerhörig.
Im Jahr 1996, im Alter von elf Jahren, erlitt sie einen Hörsturz. Seitdem ist ihr linkes Ohr taub. Das rechte Ohr war an Taubheit grenzend schwerhörig und wurde viele Jahre mit einem Hörgerät versorgt.
Schon damals stand die Frage im Raum, ob ein Cochlea-Implantat infrage kommt. Laura entschied sich bewusst dagegen.
Viele Jahre kam sie mit ihrem Hörgerät zurecht – bis sich ihre Hörsituation im Oktober 2016 erneut schlagartig veränderte.
🩷 Ab hier erzählt Laura ihre Geschichte mit ihren eigenen Worten.
Als plötzlich nichts mehr ging
Im Oktober 2016 hatte ich einen Hörsturz. Seitdem hörte ich auf meinem rechten Ohr mit dem Hörgerät gar nichts mehr und bekam zusätzlich Tinnitus.
Mein linkes Ohr war bereits seit vielen Jahren taub. Mein Gehör hatte sich schon in den Jahren davor immer weiter verschlechtert. Doch plötzlich gar nichts mehr zu hören, war für mich eine völlig neue Situation.
Da ich im Büro arbeite, viel am PC lese und täglich mit Kolleginnen und Kollegen kommuniziere, war Hören für mich schon vorher sehr anstrengend.
Ich stand ständig unter Stress, ohne es selbst zu merken, weil mir meine Arbeit immer Freude gemacht hat und ich mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen gut verstanden habe.
Als sich mein Hören auch nach fünf Monaten nicht verbesserte und der Tinnitus blieb, musste ich eine andere Lösung finden.
„Ich vermisste das Hören so sehr – besonders Musik und Stimmen. Komplett taub zu sein, fühlte sich für mich leer und still an.“
Die Entscheidung für ein Cochlea-Implantat
Ich begann, viel über Cochlea-Implantate zu lesen und im Internet zu recherchieren.
Besonders geholfen hat mir der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Facebook-Gruppe. Dort konnte ich viele Erfahrungen lesen und meine Fragen stellen.
Schließlich entschied ich mich für eine CI-Operation am Deutschen HörZentrum der Medizinischen Hochschule Hannover .
Ein neuer Anfang
Im Februar 2017 war es dann so weit. Die Operation verlief gut.
Sechs Wochen später bekam ich mein Cochlea-Implantat. Ich hatte anfangs viel zu hohe Erwartungen.
Ich musste Geduld haben. Mein Gehirn musste das Hören erst wieder völlig neu lernen und die vielen neuen Reize verarbeiten. Schließlich war ich fünf Monate lang taub gewesen.
Zum Glück verschwand der Tinnitus nach und nach.
Ein Cochlea-Implantat war für mich kein Schalter, den ich einfach einschalten konnte. Mein Gehirn musste das Hören Schritt für Schritt neu lernen.
Jeden Tag gab es etwas Neues zu entdecken
Drei Monate lang habe ich das Hören intensiv trainiert. Warum das Gehirn nach einer neuen Hörversorgung Zeit und Übung braucht, erkläre ich auch in meinem Beitrag „Warum Hörtraining so wichtig ist“ .
Das erste Geräusch, das ich ganz bewusst wahrgenommen habe, war das Zwitschern der Vögel.
Vogelgezwitscher hatte ich vorher noch nie gehört. Deshalb fiel es mir viel stärker auf als alle anderen Geräusche.
Danach entdeckte ich jeden Tag neue Töne, die ich mit meinem Hörgerät vorher nie gehört hatte.
„Es war ein unbeschreibliches Gefühl!“
😄 Schmunzelmoment
Vogelgezwitscher hatte ich vorher noch nie gehört. Erst mit dem CI habe ich gemerkt, dass Vögel ganz schön laut sein können – und manchmal sogar ein bisschen nerven.
Ich war unglaublich neugierig und motiviert. Immer wieder musste ich andere Menschen oder meine Mutter fragen:
„Was ist das für ein Geräusch?“
Plötzlich war so viel mehr möglich
Musik zu hören, war für mich das schönste Erlebnis.
Zum ersten Mal konnte ich die Liedtexte verstehen und die einzelnen Töne viel besser heraushören. Wenn ein Lied begann, habe ich es sofort erkannt. Mit meinem Hörgerät war das vorher unmöglich.
Auch beim Telefonieren hat sich vieles verändert.
Mit dem Hörgerät konnte ich früher nur mit meiner Mutter oder mit Frauen mit hoher Stimme telefonieren. Tiefe Männerstimmen verstand ich kaum.
Mit dem CI konnte ich endlich auch Männerstimmen verstehen – und zum ersten Mal mit meinem Papa telefonieren.
„Endlich mit meinem Papa telefonieren zu können, war ein wunderschönes Gefühl.“
Ich traute mich sogar, selbst bei einer Arztpraxis anzurufen. Es hat funktioniert und ich war unglaublich stolz auf mich.
Von da an habe ich immer häufiger selbst telefoniert und Termine vereinbart. Ganz nebenbei war das eine tolle Übung für mein neues Hören.
Fernsehen und Radio neu entdecken
Auch Fernsehen wurde plötzlich ganz anders.
Mit meinem Mini-Mikrofon habe ich ohne Untertitel geübt. Es war unglaublich, dass ich alles verstehen konnte.
Sogar Radio hören klappt heute wieder.
Heute bin ich unendlich dankbar
Ich bin von Geburt an schwerhörig und nutze Gebärdensprache.
Für die Erfahrung mit meinem Cochlea-Implantat und für dieses Geschenk bin ich unendlich dankbar.
Meine Familie hat mich auf diesem Weg immer unterstützt und gestärkt.
„Manchmal verändert eine Entscheidung nicht nur das Hören – sondern das ganze Leben.“
Meine Gedanken
Laura ist nicht nur eine CI-Trägerin.
Laura ist meine kleine Schwester.
Ich habe ihren Hörweg fast mein ganzes Leben lang miterlebt. Ich weiß noch, wie wir als Kinder zusammen groß geworden sind und wie selbstverständlich sie viele Herausforderungen gemeistert hat.
Als sie sich 2017 für ein Cochlea-Implantat entschied, war das kein einfacher Schritt. Umso schöner war es für mich zu sehen, wie sie sich ihre Hörwelt Stück für Stück zurückerobert hat.
Wenn sie heute erzählt, dass sie zum ersten Mal Vogelgezwitscher gehört hat oder endlich mit unserem Papa telefonieren konnte, bekomme ich immer noch Gänsehaut.
Für mich ist Laura eine echte Superheldin. 🩷
Nicht, weil sie niemals Angst hatte.
Sondern weil sie trotz aller Herausforderungen immer wieder den Mut gefunden hat, weiterzugehen.
Sie erinnert mich daran, dass Stärke oft ganz leise ist. Dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern den nächsten Schritt trotzdem zu gehen.
Ich bin unglaublich stolz auf sie und unendlich dankbar, dass sie ihre Geschichte auf Sarahs Ohr erzählt.
Mit Sarahs Ohr möchte ich Wissen vermitteln. Aber mindestens genauso wichtig ist mir, Menschen eine Stimme zu geben. Denn manchmal hilft eine persönliche Geschichte mehr als jede fachliche Erklärung.
Ich wünsche mir von Herzen, dass ihre Geschichte anderen Menschen Mut macht. Vielleicht Menschen, die selbst schwerhörig sind. Vielleicht Menschen, die gerade vor der Entscheidung für ein Cochlea-Implantat stehen. Oder Angehörigen, die besser verstehen möchten, wie sich dieser Weg anfühlen kann.
Danke, Laura, dass ich Deine Geschichte erzählen darf. Und danke, dass Du jeden Tag meine kleine Schwester bist. ❤️
Deine Geschichte zählt
Jeder Hörweg ist anders.
Genau deshalb möchte ich auf Sarahs Ohr Menschen eine Stimme geben, die ihre persönlichen Erfahrungen mit anderen teilen möchten.
Ob Hörgeräte, Cochlea-Implantat, Tinnitus, Hörsturz oder ein ganz anderer Weg – jede Geschichte ist einzigartig. Und genau darin liegt ihre Stärke.
Ich bin überzeugt, dass persönliche Erfahrungen anderen oft mehr Mut machen können als jede fachliche Erklärung.
❤️ Vielleicht hast auch Du eine Geschichte, die erzählt werden möchte.
Wenn Du Deine Erfahrungen auf Sarahs Ohr teilen möchtest, freue ich mich sehr, von Dir zu hören.
Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass sich weniger Menschen mit ihrer Hörgeschichte allein fühlen.
Du möchtest andere CI-Träger kennenlernen?
Laura hat der Austausch mit anderen Betroffenen auf ihrem Weg sehr geholfen. Auch heute kann es entlastend sein, Fragen mit Menschen zu besprechen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Über die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft kannst Du nach regionalen CI-Selbsthilfegruppen in Deiner Nähe suchen.
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