LIANE ERZÄHLT WIE ES IST SCHWERHÖRIGE KINDER ZU HABEN

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Eltern & Kinder

Wenn das eigene Kind schwerhörig ist

Eine Mutter erzählt vom Leben mit ihren Zwillingsmädchen, Hörgeräten und Cochlea-Implantaten.

Eine persönliche Geschichte über Diagnose, Alltag, Selbstvertrauen und den Weg als Familie.

Zwei Mädchen mit Hörhilfen pflücken Himbeeren im Garten.
Alltag mit Hörhilfen darf leicht, lebendig und ganz normal aussehen.

Wenn plötzlich alles anders ist

Was passiert, wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind schwerhörig ist?

Für viele Familien ist dieser Moment erst einmal ein Schock. Fragen, Unsicherheit und Angst stehen plötzlich im Raum. So ging es auch der Mutter hinter dem Instagram-Account „Kleine Hörperle“.

Liane K. hat Zwillingsmädchen. Beide sind hörbeeinträchtigt. Heute wachsen die beiden ganz selbstverständlich mit Hörhilfen auf: eine der Schwestern trägt Hörgeräte, die andere Cochlea-Implantate.

Ihre Geschichte zeigt, wie Eltern ihren Kindern helfen können, Selbstvertrauen zu entwickeln und ihren eigenen Weg zu finden.

Gut zu wissen

Hörbeeinträchtigung bei Kindern sieht nicht immer gleich aus. Manche Kinder tragen Hörgeräte, andere Cochlea-Implantate. Dazu kommen Frühförderung, ärztliche Begleitung und oft viele kleine Schritte im Alltag.

Karten mit der Aufschrift Die Hörreise beginnt und Heute ist OP Tag im Krankenhaus.
Manche Momente auf dieser Reise sind emotional, mutig und unvergesslich.

Der Moment der Diagnose

Die Diagnose kam für die Familie völlig unerwartet. In der Familie gab es zuvor keine Hörbeeinträchtigungen. Plötzlich standen medizinische Begriffe, Untersuchungen und viele neue Informationen im Raum.

Liane erinnert sich, dass sie in diesem Moment vor allem eines fühlte: Hilflosigkeit.

„Von taub spricht man in der Medizin nicht, sondern von an Taubheit grenzend.“

Sie hörte diese Worte – doch emotional konnte sie sie in diesem Moment kaum greifen.

Wie so viele Eltern stellte sie sich Fragen wie:

  • Wie wird das Leben meiner Kinder aussehen?
  • Was bedeutet das für ihre Zukunft?
  • Wer hilft uns jetzt?

Das erste Jahr: viele Fragen, viele Termine

Das erste Jahr nach der Diagnose beschreibt sie als sehr intensiv. Es gab viele Termine, viele Gespräche und auch viel emotionale Verarbeitung.

Eine große Unterstützung war für die Familie die Frühförderung. Besonders Programme wie das Münsteraner Elternprogramm haben ihnen geholfen. Dort wurden nicht nur die Kinder gefördert, sondern auch die Eltern gestärkt.

Am Anfang halfen auch begleitende Gebärden, um Kommunikation im Alltag sicherer zu machen.

Mit der Zeit begann sich etwas zu verändern. Die Angst wurde leiser. Das Vertrauen wurde stärker.

„Rückblickend war es kein einzelner Moment, sondern ein Prozess – bis die Angst leiser wurde und das Vertrauen stärker.“
Kind mit Cochlea Implantat nimmt an einem Hörtest teil.
Zum Weg vieler Familien gehören auch Hörtests, Anpassungen und viele kleine Entwicklungsschritte.

Vertrauen in die eigenen Kinder

Ein wichtiger Schritt war für die Familie auch die genetische Untersuchung. Sie brachte Klarheit und half dabei, die Situation besser zu verstehen.

Ebenso wichtig war es, ein Klinikum zu finden, in dem sie sich wirklich verstanden und gut begleitet fühlten. Das gab ihnen schließlich die Sicherheit, eine große Entscheidung bewusst zu treffen: die Entscheidung für ein Cochlea-Implantat.

Heute trägt eine der Zwillinge Hörgeräte, die andere Cochlea-Implantate.

Eine Klinik finden, in der man sich verstanden fühlt

Die Familie entschied sich schließlich für die Klinik am Bruderwald der Sozialstiftung Bamberg .

Dort fühlten sie sich von Anfang an gesehen – nicht nur als Patientinnen, sondern auch als Familie.

„Es ist ein sehr gut abgestimmtes Team mit fachlichem Know-how, bei dem man jederzeit Fragen stellen kann und nachvollziehbare Antworten erhält. Meine Töchter sind sehr gerne dort.“

Gleichzeitig ist Liane wichtig zu betonen, dass die Wahl einer Klinik immer eine sehr persönliche Entscheidung ist. Jede Familie bringt eigene Erfahrungen, Wünsche und Gründe mit.

Andere Familien entscheiden sich bewusst für andere Kliniken – und sind dort ebenfalls sehr zufrieden. Entscheidend ist vor allem, einen Ort zu finden, an dem man sich gut begleitet und verstanden fühlt.

Hinweis: Dieser Abschnitt schildert persönliche Erfahrungen einer Familie und ist keine allgemeine Klinikempfehlung.

Kind trägt gleichzeitig ein Cochlea Implantat und ein Hörgerät mit Kopfband.
Jedes Kind hört anders und manchmal gehören unterschiedliche Hörlösungen ganz selbstverständlich dazu.
Nahaufnahme eines Kinderhörgeräts mit glitzernder Otoplastik.
Hörgeräte sind Hilfe im Alltag und dürfen trotzdem Persönlichkeit zeigen.

Hörgeräte und Cochlea-Implantate gehören einfach dazu

Zu Hause wird ganz selbstverständlich über Ohren, Hörgeräte und Cochlea-Implantate gesprochen.

Der Mutter ist wichtig, dass ihre Töchter verstehen:

  • wie ihr Hören funktioniert
  • warum sie Hörhilfen tragen
  • wie sie das anderen erklären können

Zum Beispiel dann, wenn eine Batterie leer ist oder etwas gerade nicht funktioniert.

Für die Familie sind Hörgeräte und Cochlea-Implantate kein außergewöhnliches Thema. Sie gehören zum Alltag – so wie bei anderen Menschen eine Brille, AirPods oder ein Gehstock.

Wenn Kinder neugierig sind

Besonders schöne Momente erlebt die Familie immer wieder im Kontakt mit anderen Kindern.

Ein Erlebnis aus dem Kindergarten ist der Mutter besonders in Erinnerung geblieben. Die Kinder wurden vorher darüber informiert, dass ihre Töchter Hörhilfen tragen.

Am dritten Tag kam ein Mädchen neugierig zu einer der Zwillinge und fragte freundlich, ob sie sich das Cochlea-Implantat einmal anschauen dürfe. Das Mädchen schaute kurz darauf, bedankte sich – und wollte schon wieder weiter spielen.

Doch die Tochter sagte ganz selbstverständlich:

„Schau mal, auf der anderen Seite habe ich auch noch eines – das hast du noch gar nicht gesehen.“

Für die Mutter war das ein ganz besonderer Moment.

Ein anderes Erlebnis passierte im Urlaub auf einem Spielplatz. Ein Kind fragte eine der Zwillinge: „Was hast du da?“

Die Antwort kam ganz selbstverständlich:

„Das sind meine Hörgeräte – und meine Schwester hat CIs.“

Die Mutter stand zufällig in der Nähe und bekam das Gespräch mit.

„Meine Tochter hatte gar nicht bemerkt, dass ich in der Nähe war – aber ich war unglaublich stolz.“
Zwei Mädchen mit Hörhilfen stehen zwischen roten Mohnblumen.
Kinder mit Hörhilfen sind vor allem eins: Kinder mitten im Leben.
Kind mit Hörgerät und Blumen im Haar.
Selbstbewusstsein wächst oft genau dort, wo Technik ganz selbstverständlich dazugehören darf.

Selbstbewusstsein entsteht im Alltag

Viele Eltern fragen sich: Wie stärkt man das Selbstbewusstsein eines Kindes mit Hörbeeinträchtigung?

Liane sagt selbst:

„Ich mache eigentlich gar nichts Besonderes.“

Für ihre Familie ist es einfach Normalität und Alltag.

Natürlich gibt es praktische Themen rund um Hörhilfen – zum Beispiel Wasser, Akkus oder Technik. Doch letztlich hat jedes Kind seine eigenen Besonderheiten.

Was ihr besonders wichtig ist:

  • Sie gibt ihren Kindern Wissen über ihre eigene Situation.
  • Sie sollen verstehen, wie ihre Hörhilfen funktionieren.
  • Sie sollen wissen, welche Möglichkeiten sie haben.
  • Sie sollen erleben, dass sie nicht hilflos sind.

Gemeinsam Lösungen finden

Ein weiterer wichtiger Gedanke in ihrer Familie: Nicht jeder Mensch im Leben muss ein Freund sein.

Aber mit allem, was sie beschäftigt, können ihre Töchter jederzeit zu ihr kommen. Dann suchen sie gemeinsam nach Antworten oder Lösungen.

„Dieses gemeinsame Suchen nach Lösungen stärkt nicht nur ihr Selbstvertrauen, sondern auch unsere Verbindung zueinander.“
Mutter geht mit zwei Kindern durch ein Tropenhaus, eines trägt ein Cochlea Implantat.
Familienalltag bedeutet nicht Perfektion, sondern gemeinsam den eigenen Weg zu finden.

Hörbeeinträchtigung ist einfach ein Teil von ihnen

Die Mutter wünscht sich vor allem eines: Dass Hörbeeinträchtigungen irgendwann genauso selbstverständlich gesehen werden wie eine Sehschwäche. Oder wie eine Brille.

„Wie andere darüber sprechen, sagt oft mehr über sie selbst aus als über uns.“

Und vielleicht ist genau dieser Gedanke der wichtigste: Hörgeräte und Cochlea-Implantate sind für ihre Töchter nichts Besonderes. Sie sind einfach ein Teil von ihnen.

Zwei Kinder mit Hörhilfen betrachten gemeinsam das Kinderbuch Die kleine Hörperle.
Wenn aus persönlichen Erfahrungen ein Kinderbuch entsteht, kann daraus etwas richtig Wertvolles für andere Familien werden.

Wenn aus Erfahrungen ein Kinderbuch entsteht

Die Erfahrungen mit ihren Töchtern haben Liane K. auch zu einem ganz besonderen Projekt inspiriert.

Sie hat ein Kinderbuch geschrieben: „Die kleine Hörperle – eine magische Reise durch Aurelias Ohr“.

In der Geschichte begleitet man die kleine Hörperle auf einer fantasievollen Reise durch das Ohr – vom ersten Klang im Außenohr bis zur wundervollen Welt der Klänge im Gehirn.

Das Buch erklärt kindgerecht, wie Hören funktioniert, was Hörgeräte sind und wie Cochlea-Implantate helfen können. Dazu gibt es einen Mitmachteil, bei dem Kinder ihre eigene Hörmuschel basteln können.

Die Botschaft ist so einfach wie stark: Alle hören anders – und das ist wunderbar.

Mehr zum Kinderbuch lesen

Zum Schluss

Wenn dein Kind schwerhörig ist, fühlt sich am Anfang oft vieles überwältigend an. Doch du bist nicht allein.

Mit Zeit, Wissen, Unterstützung und Vertrauen finden viele Familien ihren eigenen Weg. Genau das zeigt die Geschichte von Liane K. und ihren Töchtern.

Hörgeräte und Cochlea-Implantate sind nicht das Ende von Möglichkeiten – sondern oft ein Teil eines ganz normalen, bunten und starken Familienalltags.

Kinder mit Hörhilfen halten gemeinsam ein Küken.
Auch mit Hörhilfen bleibt Platz für all die kleinen, schönen und wilden Alltagsmomente.

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